„Das hab ich doch schon 1000 Mal gesagt…“

… oder warum Kinder Grenzen immer wieder testen MÜSSEN

Und was der Elefant damit zu tun hat, möchtest Du natürlich auch gern wissen – zu dem kommen wir aber erst später!

Genervt.

Du bist echt genervt.

Wie oft hast Du Deinem Kind schon gesagt, dass es nicht in die Steckdose greifen darf? Und kaum drehst Du Dich um, ist es schon wieder unterwegs zur Steckdose.

Natürlich machst Du Dir Sorgen, ist ja auch gefährlich der Griff in die Steckdose – Du machst Dich also mit einem lauten „Stopp!“ bemerkbar. Dein Kind hält kurz inne, grinst Dich an und krabbelt weiter zu seinem ersehnten Ziel. „Das darf doch nicht wahr sein! Der will mich ja richtig ärgern!“

Kommt Dir diese Situation bekannt vor? Die Steckdose lässt sich ersetzen durch ganz viele andere alltägliche Beispiele – der Griff in die Blumenerde (besonders beliebt bei giftigen Zimmerpflanzen!), das liebevolle, aber etwas unsanfte Streicheln des Katers, das Klettern auf den gläsernen Wohnzimmertisch, …

Was gleich bleibt, ist der Gedanke „Das müsste das Kind doch schon wirklich begriffen haben! Warum muss ich es denn immer wieder sagen? Wieder und wieder?“

Warum testen Kinder ihre Grenzen immer wieder?

Dafür finden wir gleich mehrere Gründe – schauen wir sie uns der Reihe nach an:

Grenzen machen neugierig

So einfach kann es sein! Es ist simple Neugierde!

Sicher kennst Du das entzückende Kinderbuch von Janosch „Oh, wie schön ist Panama“*, in dem der kleine Tiger sich Gedanken macht, ob es wohl auf der anderen Seite vom Hügel nicht schöner wäre. Und was macht der kleine Tiger? Er schnappt seinen Freund, den kleinen Bären, und macht sich auf die Reise. Er will es selber wissen, er will es mit eigenen Augen sehen.

Und genauso geht es unseren Kindern – selber machen, selber sehen, selber probieren. Sie sehen uns ja auch immer wieder mal an einer Steckdose herumhantieren, also wollen sie das selber auch einmal!

Alles Verbotene hat seinen speziellen Reiz!

Das muss ich jetzt nicht näher erklären, oder?

Kinder sind geborene Forscher und Wissenschaftler

Wie bei einer empirischen Forschungsreihe wird eine spezifische Versuchsanordnung immer wieder überprüft.

Dass Kinder Dinge, die sie eigentlich nicht tun sollten, immer wieder tun, heißt nicht zwangsläufig, dass sie das Verbot oder die Grenze nicht verstanden hätten. Im Gegenteil, sie wollen einfach überprüfen, ob das heute wieder so ist, daß sie nicht in die Steckdose greifen dürfen. Wie sonst sollten sie sich die Bestätigung holen, als hinzukrabbeln und auf Dein „NEIN“ zu warten? Dieses Hinkrabbeln ist die nonverbale Frage „Stimmt das noch? Gell, ich darf da nicht hineingreifen!“

{loadmodule mod_blank250,3 erprobte Alternativen zum NEIN-Sagen}

Was heißt das jetzt für Dich?

Was kannst Du tun, um etwas weniger Nerven zu verlieren?

1.       Ändere die Umwelt!

Bei Kindern bis etwa zum zweiten Geburtstag setzt Du Grenzen am besten, in dem Du die Umwelt gestaltest – Handeln geht vor Reden!

Stell ein möglichst massives Möbelstück vor die beliebtesten Steckdosen. Räum den gläsernen Couchtisch für ein paar Monate in den Keller. Stell die giftige Zimmerpflanze in unerreichbare Höhe (oder verschenke sie!).

2.       Ändere Deine Gedanken!

Konzentriere Dich auf die „Forscher-Erklärung“ – weg mit Gedanken wie „Das Kind will mich ja bloß ärgern!“. Interpretiere das Grinsen Deines Kindes nicht als Frechheit sondern als Freude über die neuerliche Bestätigung seines Weltbildes.

3.       Du darfst genervt sein!

Du bist keine schlechte Mutter, wenn Dich diese ewige Grenzen-Austesterei mal nervt – ruf eine Freundin mit Kind in ähnlichem Alter an und jammert ein bissel zusammen, das tut gut! Und dann fokussierst Du Dich wieder auf das Positive, nämlich …

4.       Sieh die Zuversicht Deines Kindes, sei stolz und lerne daraus!

Ist es denn nicht auch ermutigend zu sehen, dass Dein Kind nicht aufgibt?

Und hier kommen jetzt die Elefanten ins Spiel.

In Ländern wie Indien und Thailand sind Elefanten ja auch Arbeitstiere. Baby-Elefanten werden mit Ketten angebunden, damit sie nicht davonlaufen. Erwachsene Arbeitselefanten werden nur mehr mit einem Strick angebunden. Sie wären längst stark genug und könnten jederzeit ihres Weges gehen – sie sind so an ihre Grenzen gewohnt, sie probieren es nicht mehr!

Siehst Du jetzt, wie stark und mutig Dein Kind ist?
Ist es nicht bewundernswert?
Könnten wir von unseren Kindern da nicht etwas lernen?
Einmal unsere eigenen Grenzen wieder überprüfen?

Ich bin sicher, da gibt es auch die eine oder andere, die nur in unseren Köpfen existiert …

Und wenn Dein Kind grad ausgiebig seine (und Deine) Grenzen austestet, hab ich hier einen kostenlosen Mini-Kurs für dich, in dem du lernst, wie du deine Aufforderungen ans Kind so formulierst, dass sie besser verstanden werden – melde dich gleich hier an!

{loadmodule mod_blank250,7 typische Eltern-Fallen beim Grenzen setzen}

Schreibe mir doch Deine Erfahrungen und/oder Fragen in die Kommentare oder teile den Artikel, wenn Du jemanden kennst für den er auch hilfreich sein könnte.

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7 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Katharina am 24.02.2015 um 13:06

    Liebe Vera,
    ein sehr schöner Artikel! Mir gefällt vor allem, dass wir unsere eigenen Grenzen wieder mal anschauen könnten.
    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Veröffentlicht von Vera am 26.05.2015 um 23:07

      Danke, liebe Katharina

  2. Veröffentlicht von Viktoria am 03.03.2015 um 15:07

    Hallo, Vera,
    danke für diesen differenzierten Artikel.
    Meine Erfahrung ist, dass Eltern ihre eigenen Grenzen zu wenig kennen. Sie wissen nicht, was sie für sich und ihr Kind wollen. Jedes Nein ohne Begründung zündet nicht, denn Kinder wollen dazu lernen und nicht einfach nur gehorchen. Wie du schon sagtest – kleine Abenteurer, die die Welt kennen lernen wollen.
    Deshalb bin ich vom Grenzen setzen abgekommen, sondern zeige lieber die Welt, wie sie funktioniert. Kinder fügen sich nämlich gerne ein, wenn das Zugehörigkeit:-)verspricht.

    Viele Grüße
    Viktoria Hammon

  3. Veröffentlicht von Yvonne am 09.06.2015 um 09:09

    hallo Vera,

    und wie sieht das mit dem 1000x gesagten bei älteren kindern aus? habe einen 7 jährigen & eine 6jährige, die stehen der jüngsten (2 1/4) um nichts nach. nur geht´s nicht um Steckdosen, sondern vielleicht um Süßigkeiten (notfalls gehortete) vor dem Mittagessen, Händewaschen nach dem essen, oder sonstwas ganz normales, das wir schon immer haben wollen und glauben, auch erwarten zu können…lg, yvonne

    • Veröffentlicht von Vera am 09.06.2015 um 13:10

      Liebe Yvonne,
      bei den etwas älteren Kindern flacht die Sache mit dem Forschergeist natürlich etwas ab. Oft halten sie die von den Eltern eingeforderten Dinge einfach für fad bis nicht so notwendig – hilfreich kann sein, die Kids via Gespräch in einem ruhigen Moment ins Boot zu holen. Im Sinne von: „Mich nervt es, dass ich immer …. sagen muss, Euch ja sicherlich auch – was können wir tun, damit das in Zukunft anders wird?“ Liebe Grüße, Vera

  4. Veröffentlicht von Ilse am 30.01.2016 um 13:12

    Hallo Vera, genial aufbereitet. Diese Sätze können sich Eltern nicht oft genug sagen.
    Wir sollten auch stolz sein, auf den Forschergeist unserer Kinder. Schließlich handelt es sich gerade bei kleinen Kindern oft um Dinge, die sie sehr interessieren und die sie einfach erkunden wollen. Auch wenn es die Steckdose oder die Buchse der Stereoanlage ist;-)
    Alles Liebe
    Ilse

  5. Veröffentlicht von Petra am 25.06.2016 um 20:12

    Danke Vera für diese genialen Sätze, die sich jedes Elternteil immer wieder mal durchlesen kann, wenn man gerade in einem der Tage drinsteckt, in dem einem das Grenzen setzen über den Kopf wächst:
    „Dass Kinder Dinge, die sie eigentlich nicht tun sollten, immer wieder tun, heißt nicht zwangsläufig, dass sie das Verbot oder die Grenze nicht verstanden hätten. Im Gegenteil, sie wollen einfach überprüfen, ob das heute wieder so ist, daß sie nicht in die Steckdose greifen dürfen. Wie sonst sollten sie sich die Bestätigung holen, als hinzukrabbeln und auf Dein „NEIN“ zu warten? Dieses Hinkrabbeln ist die nonverbale Frage „Stimmt das noch? Gell, ich darf da nicht hineingreifen!“

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Porträt Vera Rosenauer

Vera Rosenauer

selbst Mama von zwei großartigen Töchtern, passionierte Langschläferin, Besitzerin (und Leserin!) mehrerer Kubikmeter Fachliteratur, zufriedene Kundinnen seit 2009

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