Woran Du erkennst, dass Dein Kind satt ist?

„Mein Kind isst so wenig – was kann ich tun?“

„Mein Kind isst so viel – was kann ich tun?“

Ich sitze ja zwei Mal die Woche im Kreis von Jung-Eltern (meist Mamas, aber immer öfter auch Papas – wie schön!) und da werden mir die obigen Fragen oft gestellt. Was mir dabei aufgefallen ist:

Es war eigentlich noch nie jemand zufrieden mit der Menge, die das Kind ist?

Es ist immer ein „Zu viel“ oder „Zu wenig“ – wobei erstere Angst ist deutlich weiter verbreitet!

Immer wieder bringt mich das zu der Frage: Wo genau machen wir Eltern denn fest, was genug sein müsste – gibt es denn wirklich eine optimale Verzehrsmenge?

Darum gehts hier:
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    Woher kommt die Angst, das Kind isst zu wenig?

    Natürlich sitzt tief in uns auch die Angst, das Kind vielleicht schlecht zu versorgen und damit etwaige gesundheitliche Folgen hervorzurufen. Zu wenig Nahrung zu haben ist ja schließlich Teil der Menschheitsgeschichte, Supermärkte und volle Kühlschränke gibt es ja selbst in unseren Breitengraden noch gar nicht so lang.

    Ich denke, es liegt aber auch daran, dass wir in einer Welt leben, in der alles gemessen, gewogen oder sonst wie bewertet wird. Und Kinder haben leider keine Anzeige, die uns anzeigt „100 % Füllmenge erreicht“

    Wenn Du stillst

    Gerade in den ersten Wochen schafft das oft enorme Unsicherheit, die Trinkmenge beim Stillen nicht einschätzen zu können. Bitte verzichte aber unbedingt auf die Methode des Vorher-Nachher-Wiegens, das macht bloß unnötig Stress!

    Es braucht viel Vertrauen in Dich selbst, dass Du Dein Baby ausreichend nähren kannst. Das Angebot an Muttermilch wird durch die Nachfrage von Seiten des Babys bestimmt.

    Dass das Baby stündlich Hunger anmeldet, heißt nicht zwangsläufig, dass zu wenig Milch da ist – sondern kündigt eher eine Wachstumsphase an. Dann also bewusst öfter anlegen, dann wird auch die Milch mehr.

    Dass es satt ist merkst Du je nach Baby an unterschiedlichen Zeichen:

    • wenn es aufhört zu trinken
    • wenn es den Kopf wegdreht
    • wenn es nur noch nuckelt ohne zu schlucken
    • wenn es den Körper entspannt und die Fäustchen öffnet

    Scheu Dich nicht bei Unsicherheit eine Hebamme oder Stillberaterin zu kontaktieren, ganz oft sind Probleme schon mit einem Telefongespräch verschwunden!

    Wenn das Baby Beikost bekommt

    Von Beikost sprechen wir im zweiten Halbjahr des ersten Lebensjahres, wenn das Baby zusätzlich zu Mutter- oder Fläschchenmilch erste feste Kost bekommt.

    Da ist es gerade am Anfang sehr schwer, hat der Brei jetzt schon satt gemacht oder ist danach noch Stillen angesagt. Die Lösung heißt ganz simpel Ausprobieren!

    Wenn das Baby mit seiner Mahlzeit satt geworden ist, wird es danach keine Milch mehr trinken wollen. Naja, vielleicht doch – als Nachspeise! Die geht doch bei uns Erwachsenen auch immer ;-)

    Lass Dich auf keinen Fall verwirren, von Größe und Gewicht von Gläschennahrung – die 190 Gramm, die da meist drin sind, sind nicht die ultimative, optimale Menge, die ein Baby jetzt unbedingt essen muss oder nachdem es zwingend satt sein muss.

    Wenn das Kind jetzt gewisse Speisen ablehnt, liegt das nicht immer nur am Geschmack – bitte zieh auch da keine voreiligen Schlüsse. Kinder mögen das angebotene Essen manchmal auch nicht wegen der Farbe, der Konsistenz, der Temperatur, des Löffels …

    Wenn das Kind dann bei der Familie mit isst

    Ab etwa dem ersten Geburtstag kann das Kind am Familientisch mitessen und darf auch im Großen und Ganzen alles mitessen, vielleicht nicht unbedingt das superscharf gewürzte Chili con Carne.

    Eine schöne Gelegenheit für viele Eltern auch ihr eigenes Ernährungsverhalten zu optimieren ;-)

    Hier hab ich noch ein paar grundlegende Überlegungen, wenn Du Dich daran hältst, brauchst Du keine Angst haben, dass Dein Kind zu wenig bekommt:

    Wir sind schneller satt als wir denken

    Die Magengröße entspricht in etwa der Größe unserer Faust – in jedem Lebensalter!

    Natürlich dehnt er sich etwas aus, wenn wir essen. Aber so gesehen ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein Eineinhalbjähriger nach einem halben Apfel satt ist.

    Vor allem, wenn es sich um ein „richtiges“ Lebensmittel wie Obst und Gemüse handelt – von industriell verarbeiteter Ware können wir fast immer mehr essen als von natürlichen Lebensmitteln.

    Probier doch mal so viel Honig zu essen wie Nutella – geht nicht!

    Das Angebot muss stimmen

    Ich predige als meinen obersten Ernährungsgrundsatz immer gerne:

    "Die Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt und das Kind bestimmt, was und wieviel es davon isst."

    Natürlich nimmt man Rücksicht auf gewisse Vorlieben – so wollen manche Kinder eine Zeitlang keine „vermischten“ Speisen wie Eintöpfe, sondern haben alles lieber schön sortiert auf dem Teller.

    Wichtig ist immer wieder ausprobieren – wir essen unsere Lieblingsspeise nicht deshalb so oft, weil sie uns so gut schmeckt, sondern sie schmeckt uns so gut, weil wir sie oft essen!

    Geschmack ist trainierbar …

    Hab Vertrauen in Dein Kind

    Wir werden mit einem natürlichen Hunger-Sättigungs-Gefühl geboren – das heißt, Du kannst wirklich darauf vertrauen, dass Dein Kind isst, wenn es Hunger hat, und aufhört, wenn es satt ist!

    Im Lauf des Lebens lernen wir – unter anderem durch das Vorbild unserer Eltern und der Umgebung – dass man nicht nur aus Hunger essen muss. Viele weitere Gründe hab ich im Artikel 15 Gründe, warum Du isst beschrieben.

    Das heißt, wir müssen viel mehr aufpassen, dieses natürliche Gefühl fürs Satt-Sein nicht zu zerstören, in dem wir etwa darauf bestehen, dass der Teller aber unbedingt leer gegessen werden muss. Oder vielleicht kennst Du auch noch aus Deiner Kindheit den Spruch „So – noch ein Löfferl für den Papa – und eins für die Oma ...“

    All das teilt dem Kind auch mit, dass seine Körperwahrnehmung offensichtlich nicht ganz richtig ist.

    Auch mit einer Erkenntnis aus der Evolutionsbiologie kann ich Dich noch beruhigen. Wir Menschen sind von Natur aus so angelegt, dass wir eher ein bisschen über die Meldung „Schon satt“ aus dem Bauch drüber essen, weil ja über viele tausend Jahre nicht garantiert war, ob morgen wieder ein Mammut erlegt werden kann.

    Keine Zwischen-Zwischen-Mahlzeiten

    Kleinkinder sollten fünf Mahlzeiten pro Tag bekommen.

    Frühstück – Mittagessen – Abendessen, und dazu noch zwei Zwischenmahlzeiten (Obstjause!)

    Dein Kind bekommt also im Schnitt alle drei Stunden etwas zu essen angeboten. Wenn ihm jetzt mal wirklich bei einer Mahlzeit etwas nicht schmeckt und es nur weniger isst, wird es keinen Schaden nehmen, wenn es dann wieder bis zur nächsten Mahlzeit etwas Geduld haben muss (man kann die dann ja mal gerne eine halbe Stunde vorziehen!)

    Bekommt das Kind zwischendurch immer wieder mal einen Keks oder eine Apfelspalte, wird es bis zur nächsten Mahlzeit keinen Hunger entwickeln können. Und so entwickelt sich dann schnell mal ein Teufelskreis und das Essen wird zum Konfliktthema.

    Interview mit Ernährungsberaterin Katharina Ziegelbauer

    • Was tun, wenn mein Kind nicht genug isst?
    • Als Baby hat es so gern alles probiert, doch plötzlich isst es nur mehr Nudeln - ist das normal?
    • Wie viel ist eigentlich genug?
    • Wie motiviere ich mein Kind, doch Gemüse zu essen?

    Viele Eltern sind besorgt, wenn es ums Essen geht - Katharina Ziegelbauer, Ernährungsberaterin nach TCM und ich unterhalten uns in diesem Video über diese und weitere Fragen, die wir oft von Eltern gestellt bekommen und geben auch praktische Tipps

    video_interview_vera_kinderernaehrung_blog

    Wie geht es Dir mit Deinem Kind? Hast Du eher Angst, dass es zu wenig isst oder hast Du einen kleinen Vielesser zu Hause? Und wie gehst Du damit um? Schreib Deine Erfahrungen und/oder Fragen gleich weiter unten ins Kommentarfeld.
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    6 Kommentare

    1. Veröffentlicht von Sabine Kleinlercher am 02.06.2015 um 11:47

      Liebe Vera,

      danke für den Artikel – Familientisch geht aber auch schon vor dem 1. Geburtstag:lol:
      Meine beiden Mädels wären mir mit Brei-Beikost „verhungert“. Das Zauberwort der Stunde „BLW“. Vielleicht kannst du diesen Aspekt noch zur Sprache bringen?

      lg Sabine

      • Veröffentlicht von Vera am 06.06.2015 um 11:48

        Liebe Sabine,

        ja, BLW ist eine super Alternative – dazu gibt es auch einen feinen Gastartikel auf meinem Blog – http://www.abenteuer-erziehung.at/infos/54-blw – den werde ich auch noch oben im Text verlinken.
        Ich habe auch viele Mütter, die BLW mit klassischem Brei abwechseln und damit beste Erfahrungen gemacht haben.
        Liebe Grüße,Vera

    2. Veröffentlicht von Danielle Engel am 26.06.2018 um 09:47

      Liebe Vera,

      ich habe den Artikel erst jetzt gelesen und habe festgestellt, dass ich beim Thema Essen intuitiv richtig gehandelt habe.
      Meine Tochter wollte mit 4 Monaten schon feste Nahrung und hat die Gläschen akzeptiert mit 6 Monaten hat sie am Tisch mit gegessen. Ich habe dann unseren Speiseplan so geändert, dass sie mit Essen konnte. Und obwohl ich mit an keine Richtlinien von Ärzte und Hebammen gehalten haben, die mich gewarnt hatten, dass ich später Probleme habe mit den Essgewohnheiten meiner Tochter ist dies nicht eingetroffen. Im Gegenteil, meine Tochter isst wirklich alles und wenn sie im Wachsen ist, dann isst sie alles was ihr in die Finger kommt, sei es Schokolade, Chips, Obst und natürlich die Mahlzeiten. Es gibt aber immer wieder Phasen in denen sie das eine oder andere nicht mehr isst, dafür aber etwas anders. In der Schule muss sie von allem etwas Probieren, aber auch wenn es ihr mal nicht so gut schmeckt, wirft sie es nicht weg sondern isst weniger. Sie sagte mir mal sie stellt sich dann ein anderes essen vor und das ist etwas, was ich von ihr noch nie verlangt habe, dass sie etwas isst, was sie nicht mag.
      Da bei uns auch nie gesundheitliche Probleme aufgetaucht sind, habe ich mir auch keine Sorgen gemacht, ob es zu viel, zu wenig oder das Richtige ist.

      LG
      Danielle

      • Veröffentlicht von Vera am 28.06.2018 um 14:49

        Liebe Danielle –
        danke für dein Feedback. Ich finde es immer wieder spannend, welche Strategien für sich ganz alleine finden, wenn man Vertrauen in sie setzt!
        Alles Liebe für euch, Vera

    3. Veröffentlicht von Anna am 02.07.2022 um 13:15

      Hallo,
      unser Sohn (5) kam mit einer Nierendysplasie zur Welt. Er ist nun 106 cm groß und wiegt 18 kg. Seine Nephrologen haben nun bei der Verlaufskontrolle gemeint, es läge eine Wachstumsstörung vor und er bräuchte Wachstumshormone. Ich glaube aber, es liegt einfach an seiner Ernährung, weil er wirklich wenig isst. Jetzt hab ich deinen Artikel gelesen und zweifle SCHON wieder. Gestern hat unser Sohn z.B. zum Frühstück eine Scheibe Vollkorntoast gegessen, zum Mittag ein Viertel Brötchen und zum Abendessen ein Stück Pizza von der Größe, einer Erwachsenen-Handfläche. Das war’s,. Und so isst er immer. Er behauptet dann, er sei satt. Ich hab mit gleichaltrigen Kindern (seinen Freunden) verglichen und die essen mengenmäßig deutlich mehr.

      Im Endeffekt läuft es auf eine Sache hinaus: Entweder, er isst mehr und wir beweisen so, dass er gar keine Wachstumshormone braucht. Oder die Nephrologen werden in sechs Monaten mit Wachstumshormonen anfangen!

      Ich bin völlig überfordert, habe Angst und bin verunsichert.

      Viele Grüße
      Anna

      • Veröffentlicht von Vera am 04.07.2022 um 10:07

        Liebe Anna, ich kann deine Sorge sehr gut verstehen! Als Nichtmedizinerin kann und möchte ich hier natürlich keine Ratschläge geben – meine Idee wäre, wenigstens bei dem, was dein Kind isst, darauf zu achten, dass es möglichst gesund und ausgewogen ist. Gesund im Sinne einer höhen Mikronährstoffdichte, also möglichst vitaminreich und gutes Protein. Nüsse und Samen sind zum Beispiel immer feine Kraftpakete!
        Alles Gute für dich und deine Familie, Vera

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