Kindergarten Eingewöhnung: wie verläuft sie optimal?

Eingewöhnung im Kindergarten ist für viele Mamas angstbesetzt, weil sie einen großen Schritt auf unbekanntes Terrain bedeutet.

In diesem Artikel geht es vor allem darum:

  • Wie du dich und dein Kind auf die Eingewöhnung vorbereitest
  • Wie die Eingewöhnung optimalerweise abläuft
  • Wie lange die Eingewöhnung in den Kindergarten dauert
  • Warum Verabschieden trotz Trennungsschmerz so wichtig ist
Darum gehts hier:
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    Ganz wichtig vorab:

    Lass dir Zeit für die Eingewöhnung im Kindergarten!

    Wenn irgend möglich, plane 6 – 8 Wochen Zeit ein. Es wird schneller gehen, aber deine Gelassenheit, dass es im Falle des Falles länger dauern kann, trägt dazu bei, dass es schneller gehen wird. Klingt komisch, ist aber so!

    Leider kommt oft Zeitdruck dazu, weil der Wiedereinstieg in den Job zeitnah passiert. Vielleicht sogar passieren muss!

    Ich kenne aus meinen Gruppe teilweise absurde Geschichten, wo der Kindergartenplatz nur gewährt wird, wenn die Mama tatsächlich arbeiten geht und deshalb für die Eingewöhnung maximal zwei Wochen Zeit bleiben.

    Kein Wunder, dass das Stress bedeutet und Stress ist Gift in der Eingewöhnungszeit!

    Meine eigene „Eingewöhnungsgeschichte“

    Ich habe mit meinen Kindern zwei völlig unterschiedliche Eingewöhnungszeiten erlebt – obwohl beide Kinder gleich alt, der Kindergarten und die „Theorie“ dahinter bei beiden gleich war. Das oft erwähnte Berliner Modell mit gemeinsamen Ankommen und die Gruppe kennen lernen, zuerst nur kurze Trennungen, diese langsam steigern.

    Was genau war der Unterschied bei der Eingewöhnung?

    Meine Erstgeborene stieg im Februar mit einem zweiten neuen Kind in eine bereits bestehende Gruppe ein. Pädagogin und Assistentin waren ein eingespieltes Team, der Alltag in der Gruppe ging die gewohnten Wege, die Pädagogin konnte sich voll auf die beiden neuen Kinder konzentrieren.

    Die Neulinge waren in wenigen Tagen integriert, nach drei Wochen hat meine Tochter bereits im Kindergarten zu Mittag gegessen, geschlafen und ich konnte um 14.30 Uhr ein quietschfideles Kind abholen.

    Ein Traum!

    Eingewöhnung Nr. 2 lief dagegen katastrophal. Anfang September waren nur noch wenige „alte“ Kinder in der "kleinen" Gruppe (die meisten hatten zu den 3-6Jährigen gewechselt), die Pädagogin hatte erst vor dem Sommer übernommen, die Assistentin war selber eine Neueinsteigerin.

    Eingewöhnt werden sollten 10 neue Kinder, jeweils Montag und Mittwoch kamen zwei neue Kinder in der Gruppe an.
    Wir waren am Montag in der zweiten Woche dran. Die beiden Kinder vom letzten Montag waren schon stundenweise alleine da, benötigten aber viel Aufmerksamkeit seitens der Pädagogin. Bei den beiden vom Mittwoch waren noch die Mamas da, die an dem Tag eine kurze Trennung probierten.
    Das heißt, für die beiden neuen Kinder vom aktuellen Montag war eigentlich keine Zeit. Na gut, sie spielten halt ein wenig mit, die Mamas waren ja eh im Hintergrund.

    Am Mittwoch kamen zwei weitere Mamas mit Kindern dazu. Die „älteren“ Kinder, die schon länger in der Gruppe waren, blieben mehr oder weniger sich selbst überlassen, waren damit überfordert und reagierten teilweise aggressiv.

    Der Vormittag ging immer mehr ins Chaos über, was einige Mamas dazu verleitete, sich aktiv ins Spiel einzumischen. Die folgende Trennung fiel den Kindern dann natürlich umso schwerer, weil sie sich dann ja schon an die schöne neue Spielumgebung MIT Mama gewöhnt hatten …

    In der nächsten Woche war die Pädagogin für zwei Tage krank, die Woche drauf entschied sie sich, doch lieber mit größeren Kindern arbeiten zu wollen und hat die Gruppe verlassen. Mit Anfang Oktober wurde die Assistentin ausgewechselt.

    Es hat etwa bis Weihnachten gedauert, bis man das Gefühl hatte, das nun endgültig alle in der Gruppe angekommen und ihren Platz gefunden haben. Auch so kann’s gehen (aber ich hoffe sehr, dass das wirklich bloß ein Extrembeispiel ist!)

    Damit es bei dir und deinem Kinder gut abläuft, gebe ich dir noch ein paar Empfehlungen mit auf den Weg:

    Besprich die Eingewöhnung ausführlich mit dem Kindergarten

    Meist beschränkt man sich hier auf den eigentlichen Ablauf (siehe Berliner Modell) und das wird oft schon bei der Anmeldung erklärt, die allerdings Monate, manchmal sogar ein Jahr vor dem tatsächlichen Kindergarteneintritt liegt.

    Frage direkt vor eurem Beginn nochmal Dinge nach wie:

    • In welche Gruppe genau kommt dein Kind jetzt?
    • Wie lange ist die Pädagogin/Assistentin schon in der Gruppe?
    • Wie ist dort die Alterszusammensetzung?
    • Wie viele neue Kinder kommen wann dazu bzw. werden gleichzeitig eingewöhnt?

    Lass deine eigenen Gefühle zu

    Der Beginn im Kindergarten ist ein großer Schritt für das Kind, aber auch für die Mama – schau genau hin, welche Gefühle bei dir aufkommen.

    • Schuld – weil du das Kind „weggibst“
    • Trauer – weil eine Ära vorbei ist (dein Kind ist jetzt wirklich kein Baby mehr!)
    • Freude – weil du jetzt vielleicht endlich wieder ein bisschen Raum für dich selbst hast
    • Schuld – weil du Freude empfindest
    • Misstrauen – weil du noch nicht ganz das Vertrauen in den Kindergarten gefunden hast
    • Neid – weil dein Kind die Pädagogin gerne hat
    • Schuld – weil du neidisch bist
    • Angst – weil du noch nicht sicher bist, was genau auf dich zukommt

    Ich weiß, Schuld kommt in dieser Liste öfter vor – aber das ist auch das Gefühl, von dem mir meine Klientinnen bei diesem Thema am häufigsten erzählen …

    Dein Kind spürt, wenn du dir selbst unklar bist bezüglich des Kindergarten und es wird ganz wunderbar mit dir kooperieren und sich gegen die Eingewöhnung sträuben.

    Je klarer du selber mit dir bist, dass nun die richtige Zeit für den Kindergarten gekommen ist, umso einfacher wird es auch für dein Kind.

    Diese Unklarheit und Verwirrung bei der Mama ist auch der Grund, warum die Eingewöhnung manchmal besser mit dem Papa oder der Oma läuft!

    Das Kind auf den Kindergarten vorbereiten

    Du kannst öfter schon mit deinem Kind den Kindergartenweg abgehen oder falls möglich, den Kindern dort im Garten beim Spielen zuschauen.
    Viele Kindergärten bieten auch die Möglichkeit vorab einmal zu einem Schnuppervormittag zu kommen.

    Es gibt sehr liebevolle Bilderbücher zur ersten Zeit im Kindergarten - du findest bestimmt etwas passendes für die Situation und das Alter deines Kindes.

    Und natürlich könnt ihr auch gemeinsam schon die nötigen Besorgungen machen – die Kindergartentasche, die Jausenbox, die Hauspatschen, …

    Es ist soweit – anfangs nur kurze Trennungszeiten

    Der große Tag ist da – du wirst anfangs noch in die Gruppe hineindürfen. Bleib dort aber eher im Hintergrund (erinnere die an die Mamas in meiner Geschichte!). Du bist der sichere Hafen, den man jederzeit aufsuchen kann, aber keine Spielpartnerin im Kindergarten.

    Es ist auch völlig ok, wenn das Kind die ersten Tag einmal nur von deinem Schoss aus beobachtet. Du musst es nicht drängen, sich von dir zu entfernen. Vielleicht muss es erst noch Kraft tanken, bevor es aus seinem „sicheren Hafen auslaufen kann“.

    Du wirst gemeinsam mit der Pädagogin den Zeitpunkt erkennen, wo ihr das erste Mal eine kurze Trennung probieren könnt. Vielleicht ziehst du dich auch zuerst einmal nur in die Garderobe zurück. Es werden am Anfang nur wenige Minuten sein, in denen du auch in der Nähe bleibst, so dass du bei Bedarf auch schnell wieder verfügbar bist.

    Wenn das gut funktioniert, kann man die Zeitspanne etwas ausdehnen.

    Wichtig: Verabschiede dich immer – Tränen sind erlaubt!

    Manchmal wird empfohlen, sich aus dem Raum zu schleichen, wenn das Kind gerade intensiv spielt und dadurch abgelenkt ist.

    Das finde ich ganz schrecklich – stell dir vor, wie schlimm das ist, wenn die Mama plötzlich verschwunden ist? Wie kann ich mich jemals wieder beruhigt auf ein intensives Spiel einlassen, wenn ich fürchten muss, dass meine Mama weg sein könnte?

    Natürlich ist ein Abschied keine leichte Situation und es ist verlockender, von einem glücklich spielenden Kind wegzugehen als von einem weinenden. Und glaub mir, ich weiß, wie schrecklich man sich fühlt, wenn man ein weinendes Kind im Kindergarten zurücklässt! Als wäre man die furchtbarste Mama der Welt!

    Aber es ist besser sich dem Abschied und den Gefühlen zu stellen und zu lernen: Die Mama geht jetzt, das macht mich traurig. Aber das geht vorüber. Danach spiele ich mit meinen Freunden und Mama kommt nach dem Essen wieder.

    Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Kind die Pädagogin schon als Bezugsperson anerkannt hat und sich von ihr trösten lässt!

    Rituale zum Abschied im Kindergarten

    Damit der Abschied leichter fällt, kannst du - mit einem etwas älterem Kind sogar schon gemeinsam - ein Ritual entwickeln. Rituale geben Sicherheit und genau das ist es, was dein Kind jetzt in der Übergangssituation braucht.

    Das kann ein spezielles Bussi sein oder auch ganz simpel eine längere Umarmung mit Extra-Festhalten, bevor das Loslassen beginnt. Manche Kinder lieben es auch einen Gegenstand von der Mama zu bekommen, der dann mit ihm im Kindergarten bleibt. Vielleicht ein Taschentuch - das könntest du zusätzlich noch mit einem guten Duft versehen. Zum Beispiel mit einer Biene-Maja-Duftmischung* mit ätherischen Ölen wie Mandarine und Lavendel.

    Oder, wenn wir schon bei Düften sind, ein Tupfer Sonnenstrahlbalsam* auf die Handgelenke.

    Sei pünktlich beim Abholen!

    Damit das Kind lernt mit dem Abschied umzugehen, ist absolute Pünktlichkeit beim Abholen gefordert.

    Das Kind muss wissen, wann die Mama wieder da ist und das muss verlässlich sein.

    Du kannst den Zeitpunkt sichtbar machen „Wenn die Zeiger auf der Uhr auf den Bären zeigen“ (falls es im Kindergarten eine solche Uhr gibt ;-)) oder es anhand des Tagesablaufes erklären: „Ihr spielt jetzt ein bisschen, dann geht ihr in den Garten, dann esst ihr noch zu Mittag und dann holt dich die Mama ab!“

    Manchen Kindern hilft ein sogenanntes Übergangsobjekt – ein Gegenstand, den das Kind von zu Hause mitnimmt oder von dir beim Abschied bekommt und aufhebt, bis du es wieder abholst. Das kann ein Teddybär sein, ein Taschentuch, ein Schlüsselanhänger, …

    Keine weiteren „Erziehungsziele“ in dieser Zeit

    Die Eingewöhnung im Kindergarten bedeutet Veränderungen genug.

    Wenn ein Geschwisterchen unterwegs ist, dann versuche die Eingewöhnung nicht direkt in die Zeit rund um die Geburt zu legen. Im fünften oder sechsten Monat geht es noch gut, dann ist dein Kind schon ein versiertes Kindergartenkind, wenn das zweite Kind geboren wird. Viel später in der Schwangerschaft würde ich nicht mehr beginnen, sondern die Eingewöhnung auf einige Monate nach der Geburt verschieben.

    Auch Schnuller abgewöhnen, Umzug ins eigene Bett oder Töpfchentraining ist jetzt nicht angesagt.

    Wie ist es bei dir gelaufen? Ich freue mich, wenn du deine Eingewöhnungserfahrungen mit uns in den Kommentaren teilst!

    1 Kommentar

    1. Veröffentlicht von Burcu am 22.10.2021 um 13:40

      Hallo,
      unsere Eingewöhnung hat erst vor knapp 2 Monaten begonnen. Anfangs lief es super. Mein Sohn (3) fand es sehr spannend und wollte gleich länger da bleiben,trotz seiner Kommunikations Schwierigkeiten,da er noch nicht so gut deutsch spricht. Die ersten zwei Wochen lief alles glatt. Plötzlich möchte er nicht mehr hin, er findet es langweilig und anstrengend. Er möchte lieber gerne zuhause spielen. Lange Diskussionen beim abgeben und nachtragende Sprüche bei der Abholung. Fie Erzieherin sagen er würde keinen Moment trauern und nach meinem abgang direkt losspielen. Aber mein Herz macht das nicht mit. Beim abholen ist er nachtragend und sagt : Mama ich habe ganz traurig gespielt weil wir getrennt waren. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Er ist artig ,macht alles vorbildlich mit heißt es beim Feedback. Aber wieso er mich jedes mal so unter druck setzt verstehe ich nicht. Ich habe schlaflose Nächte weil die abgabe am morgen schon wieder ansteht……

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