Konflikte vermeiden: welche Worte Eltern-Kind-Konflikte geradezu provozieren - und welche Alternativen es gibt

Konflikte vermeiden: welche Worte Eltern-Kind-Konflikte geradezu provozieren - und welche Alternativen es gibt

Sprache schafft Realität!

Tatsächlich – Worte lassen Bilder in Kopf entstehen oder wecken Gefühle in uns, darauf basiert unser Verhalten, auf das wir wiederum Reaktionen unserer Umwelt erhalten – und so weiter und so weiter.

Worte können Konflikte vermeiden oder auch provozieren!

Damit sind wir natürlich auch Vorbild für unsere Kinder, denn – wie heißt es so schön – unser Alltag ist ihre Realität. Dieser Alltag prägt in Folge ihre Sprache, ihr Selbst und ihre Zukunft.

Deshalb geht es in diesem Artikel darum:
  • Welche Wörter du vermeiden solltest, um weniger oft in Konflikte mit deinem Kind (oder auch Erwachsenen!) zu geraten
  • Wie du durch gezielte Wortwahl sogar dein Wohlbefinden und die Kooperation deines Kindes steigern kannst

Wörter, die du besser aus deinem Wortschatz streichst

In einem meiner Seminare, in dem es um die Kommunikationswerkzeuge aus der Familienkonferenz ging, taucht die Frage auf:
„Gibt es auch Wörter, die man besser nicht verwendet?“

Ja, die gibt es.

Worte, die fast automatisiert in Konfliktgespräche führen, die die Eltern-Kind-Beziehung nachhaltig belasten, beim Gegenüber einen schalen Nachgeschmack hinterlassen, deine eigene Aussage kleinmachen, den Gesprächspartner abwerten, …

Weshalb du sie, wenn du den einen oder anderen Konflikt vermeiden möchtest, am besten aus dem tagtäglichen Gebrauch streichst oder durch bessere Alternativen ersetzt. Was selbstverständlich nicht von heute auf morgen geht – Gewohnheiten sind bekanntlich hartnäckig! – mit ein bisschen Übung wird es gelingen und den Alltag erleichtern!

Wichtig: das Ziel ist auch nicht, nie wieder in einen Konflikt zu geraten. Es geht ums Einsparen von alltäglichen Kleinkramkonflikten, um deine Nerven zu schonen!

1. Aber

Kleines Wörtchen, große Wirkung!

Die vier unscheinbaren Buchstaben machen alles zunichte, was du zuvor positiv geäußert hast.

  • Ich stimme Ihnen zu, aber ich finde … (eigene Meinung)
  • Ich verstehe, dass du jetzt XY möchtest, aber … (Grund warum es nicht geht)

Das „aber“ macht sowohl deine Zustimmung wie auch dein Verständnis in der Sekunde zunichte. Knüppelt den Satz davor regelrecht nieder.

Alternative 1 – „aber“ einfach weglassen

"Ich stimme Ihnen zu, ich finde … (eigene Meinung)"

Alternative 2verbindende Wörter wie zum Beispiel „gleichzeitig“ oder „während“ oder einfach „und“ verwenden:

"Ich verstehe, dass du jetzt zum Spielplatz möchtest, gleichzeitig mache ich mir Sorgen, dass wir dann kein Abendessen bekommen, weil keine Zeit mehr zum Kochen bleibt."

2. Eigentlich

Macht das Gesagte kleiner und schränkt dessen Bedeutung und Authentizität ein. Auch bei Dingen, die man bloß denkt, etwa über sich selbst …

  •  „Eigentlich hast du das ganz gut gemacht!“ (Toppen könnte man diese da facto negative Aussage noch mit einem Nebensatz, der mit „aber“ beginnt …)
  • „Ich finde mich eigentlich ok!“ (Wirklich?)
  • „Eigentlich sollte ich aufhören zu .“ (Spoiler: was immer du da gerade aufhören möchtest – so wird es nicht funktionieren ☹)

Alternative – einfach weglassen!

3. "Gewaltige" Wörter

Wir verwenden im Alltag oft Wörter und Formulierungen, die zwar positiv gemeint sind, in ihrer ursprünglichen Bedeutung aber etwas Negatives, wenn nicht sogar Schreckliches darstellen.

Ein paar Beispiele und ihre Alternativen:

  • kriegen – kommt von „Krieg“, besser bekommen
  • Schieß los! – besser: Ich höre
  • Ich habe ein Attentat auf dich – besser: Darf ich dich um etwas bitten?
  • Wahnsinnig, unheimlich, verrückt – besser: wunderschön, fantastisch, grandios

4. Verallgemeinerungen

  • nie, immer
  • alle, niemand, keiner
  • man

Bei Verwendung dieser Worte an ein Gegenüber, kann ich dir unfruchtbare Diskussionen mit beinahe 100%iger Sicherheit voraussagen.

Oder hattest du schon mal ein nettes Gespräch mit konstruktiver Konfliktlösung nach Sätzen wie:

  • „Nie nimmst du den Müll mit!“
  • „Immer lässt du alles herumliegen!“
  • „Aber man macht das so!“
  • „Alle anderen lernen viel mehr als du!“

Wenn du also nicht herumdiskutieren möchtest („Aber letzten Dienstag habe ich sehr wohl den Müll rausgetragen und im Juli auch schon einmal!“), sondern hier und jetzt den Müll rausgetragen haben willst, formuliere lieber konkret:

„Du hast mir heute früh zugesagt, den Müll rauszutragen und jetzt steht er noch immer hier!“

Bezieh dich in deinen Aussagen auf deutlich sicht-, hör- und im Falle des Mülls vermutlich auch riechbare - Tatsachen statt auf Allgemeinplätze!

5. „Nicht“ (vor allen bei Aufforderungen!)

Unser Hirn arbeitet mit Bildern.

„Nicht“ ist aber nicht in einem Bild darstellbar. Versuch mal dir vor zu stellen, wie es aussieht, wenn jemand etwas NICHT tut!

  • Wie du NICHT von einem Sessel aufstehst
  • Wie du NICHT vom Klettergerüst fällst
  • Wie du NICHT das Abendessen kochst

Das ist auch der Grund, warum Kinder solche Aufforderungen, etwas NICHT zu tun, NICHT umsetzen können.

Alternative – sag, was zu tun ist statt was zu unterlassen ist:

  • Bleib ruhig auf dem Sessel sitzen
  • Halte dich gut fest
  • Ich möchte jetzt lieber noch in Ruhe auf der Couch sitzen.

6. Die Macht der Modalverben!

Dürfen, können, mögen, sollen, wollen, müssen

Diese Verben modifizieren im Deutschen andere Verben, das heißt, sie drücken zum Beispiel aus, ob etwas eine Notwendigkeit oder eine Möglichkeit darstellt.

Es ist ein Riesenunterschied, ob ich Rad fahren kann, darf oder muss.

Meine jahrelangen Beobachtungen in Müttergruppen zeigt, dass wir Mamas das Wort „müssen“ überstrapazieren und darauf oft Protest ernten.

Beobachte dich mal selbst, wie oft und in welchen Situationen du „müssen“ einsetzt. Und überlege dir dann, ob hier nicht auch ein anderes Modalverb (und in diesem Fall auch Personalpronomen!) passen würde, eventuell sogar ehrlicher wäre.

Wir müssen jetzt vom Spielplatz nach Hause gehen, weil ich noch das Abendessen kochen muss!“

Wer genau zwingt uns zum Gehen und zum Kochen? Wäre es vielleicht passender zu sagen?

Ich möchte jetzt nach Hause gehen, weil ich Zeit fürs Kochen haben möchte“

Oder ist die Kocherei eine Ausrede, weil du nicht mehr am Spielplatz sitzen magst? Weil es vielleicht schon kalt wird und du keine Jacke mithast? Lässt sich vielleicht am Heimweg etwas Schnelles zum Essen mitnehmen? Oder das Abendessen zubereiten an den Papa delegieren?

Wenn wir genau schauen, ist also von müssen keine Spur!

Müssen erntet jedoch oft Widerspruch, keiner „muss“ gerne. Wir alle mögen und können und dürfen lieber.

Zusammenfassend: vielleicht willst du ja in manchen Situationen genau das erreichen, was die jeweiligen Worte bewirken können – dann kannst du dich natürlich bewusst für die Verwendung entscheiden!

Mir geht es hier vor allem um die Situationen, in denen wir mehr oder weniger „gedankenlos“ aus der Gewohnheit mit uns selbst oder anderen reden und plötzlich geht das Gespräch in eine scheinbar unvorhersehbare Richtung.

Worte, die deinen Alltag positiver machen

„Gerne!“

Dieses Wörtchen ist mir aus einem Verkaufsseminar von vor über 20 Jahren hängen geblieben.

Ich habe damals in der Buchungszentrale eines Studienreiseveranstalters gearbeitet und täglich ungezählte Anrufe mit der Frage „Gibt es bei dieser Reise noch freie Plätze?“ entgegengenommen.

Standard-Antwort: „Das muss ich nachschauen!“

Neue Alternative: „Das schaue ich gerne für Sie nach!“

Und dabei geht es gar nicht ausschließlich darum, dass das für die Kundinnen höflicher und freundlicher klingt. Sätze, die wir immer wieder sagen, hören wir ja auch selbst und sie hinterlassen bei uns eine Botschaft. In diesem Fall lauten die beiden Denkvarianten zum tatsächlich Gesagten:

A: „Oh mein Gott, dauernd muss ich etwas tun!“

oder

B: „Das was ich mache, mache ich gerne!“

Im besagten Seminar wurde sogar eine Studie erwähnt, nach der Mitarbeiter, die das Wort „gerne“ oft im Sprachgebrauch haben, weniger Stress im Job empfinden würden. Weniger Stress können wir Mamas ja gut gebrauchen und wenn das so einfach zu bekommen ist, dann gerne 😉

Probier es selbst: sag jeden der obigen Sätze 10 Mal hintereinander laut vor dich hin. Nach welchem Satz fühlst du dich wohler? Du merkst übrigens, dass hier auch der Punkt mit den Modalverben greift!

Halte also Ausschau nach für dich positiv besetzten Wörtern und baue sie bewusst in deinen aktiven Wortschatz ein. Das Feine ist, dass deine Kinder dann auch deine Wortwahl übernehmen werden und du so eine viel positivere Atmosphäre in der Familie haben wirst.

Eine Sammlung an wunderbaren Wörtern findest du hier in diesem Video – danke an meine Tochter, die in den Ferien auf meinen Auftrag hin die Powerpoint dafür bearbeitet hat und dann sehr stolz auf ihr selbstverdientes Geld war 😉 klicke einfach auf das Bild, dann wirst du zum Video auf Youtube geleitet und kannst für einige Minuten Wohlfühlwörter genießen!

Wohlfühl Wörterdusche


Diese „Wohlfühlwortdusche“ findest du als Download auch im Mitgliederbereich. Du kannst sie dir ausdrucken und auf den Kühlschrank hängen (oder aufs Klo!), so dass du sie immer wieder vor Augen hast.

So wird nicht nur deine Sprache, sondern auch dein Alltag immer positiver!

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Vera Rosenauer

Mama-Coach mit Herz, Hirn, Humor und langjähriger Erfahrung, Mama von zwei großartigen Töchtern, passionierte Langschläferin, Besitzerin (und Leserin!) mehrerer Kubikmeter Fachliteratur

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