Warum ich ein so großer Fan der Familienkonferenz von Thomas Gordon bin

Familienkonferenz - Thomas Gordon/BuchtippZufälle gibt es ja angeblich nicht!

Alles, was einem passiert, macht irgendwann und irgendwo einen Sinn …

Genauso ist es bei mir und der Familienkonferenz*. Als ich schwanger war, war einer meiner ersten Wege der in die Buchhandlung. Wenn mir etwas Neues bevorsteht, decke ich mich mal mit Literatur ein, das ist bei mir immer so.

Und neben all der Ratgeber über Schwangerschaft und Geburt, fiel mir die Familienkonferenz von Thomas Gordon in die Hände.

Zufällig.

Und gut war’s.

Bis heute – eine ErziehungsberaterInnenausbidlung und viele Kubikmeter pädagogischer Literatur später – ist es mein Lieblingsbuch, wenn es um die Kommunikation in der Familie geht.

Gordons Ideen für die Familien sehen so ganz anders aus als es der – zugegeben grottenschlecht übersetzte – deutsche Titel „Familienkonferenz“ vermuten lässt. Ich habe dabei immer sofort das Bild von „Wir-sitzen-beim-Sonntagskaffee-und-der-Papa-sagt-wo-es-langgeht“

Und ja ok, es ist recht altmodisch gestaltet, außen wie innen. Wobei das Bild oben meine, noch alte Ausgabe zeigt, die ist mittlerweile etwas ansprechender. Innen aber ist es Fließtext zum Lesen, ohne die derzeit modernen Extra-Einschübe, Zitate und sonstigen Textauflockerungen. Man muss es also wirklich lesen wollen, nicht nur scannen.

Worum gehts in der Familienkonferenz?

Der Originaltitel lautet „Parent Effectiveness Training“ und das kommt viel näher an den Inhalt heran, es geht nämlich darum, wie ich als Elternteil die Kommunikation in der Familie effektiver gestalten kann. Also den anderen mitteilen, wie es mir damit geht, wenn sie etwas tun. Aber auch, wie teile ich ihnen mit, dass ich etwas von ihnen haben möchte (so dass sie es nicht nur hören, sondern auch verstehen und umsetzen)

Gordon spricht sich für eine Erziehung ohne den Einsatz von Macht aus. Weder die Eltern sollen Macht über ihre Kinder ausüben, aber auch nicht umgekehrt.

Dafür gibt er den Eltern sogenannte Kommunikationswerkzeuge an die Hand:

  • Ich-Botschaft: einsetzbar, wenn ich meine Grenzen klarmachen möchte (aber auch wunderbar geeignet, um die eigenen Grenzen überhaupt zu erkennen!)
  • Aktives Zuhören: wenn der andere ein Problem hat und ich ihm helfen möchte
  • Niederlagelose Methode der Konfliktlösung: klingt kompliziert, auf schön neudeutsch heißt das Win-Win-Lösung

Dank dieser „Werkzeuge“ kannst du im Alltag auf den Einsatz von Strafen und Belohnung verzichten, die ja oft genug sowieso nicht wunschgemäß funktionieren, sondern bloß kraftraubende Machtkämpfe nach sich ziehen. Und auch über Lob für Kinder wirst du nach diesem Buch anders denken!

Wenn du knapp dreißig Minuten Zeit hast und dich tiefer mit der Familienkonferenz beschäftigen möchtest, dann schau hier rein in die Aufzeichnung des Webinars „Partnerschaftlich kommunizieren in der Familie“, in der ich die Grundzüge der Familienkonferenz erkläre. Es wurde bereits über 700 Mal angesehen!

Wichtig ist, dass die Familienkonferenz keine Methode ist, die man von heute auf morgen erlernen kann. Ich finde deshalb das Bild von den Werkzeugen sehr gut. Bevor man ein Werkzeug einsetzt, muss man sich überlegen, welches für diese Situation am ehesten geeignet und brauchbar ist. Und man braucht Übung in der Anwendung.

Und so ist es auch bei den Kommunikationswerkzeugen, es ist Learning by Doing.

Falsch angewandt werden sie nicht funktionieren und es braucht eine Menge Übung und Erfahrung damit, bis sie einem in Fleisch und Blut übergehen. Eher so ein Projekt fürs ganze Leben ;-))

Übrigens, wenn dir das mit den Kommunikationswerkzeugen irgendwie bekannt vorkommt, vielleicht kennst du das auch von der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg (die ich auch sehr gerne mag!). Gordon und Rosenberg waren beide Schüler von Carl Rogers und in ihrem Werk gibt es einige Parallelen.

Was ich so besonders an der Familienkonferenz (hier gehts zum Buch)* schätze ist, dass du im Buch keinen einen „Ratschlag“ finden wirst, wie du dein Familienleben gestalten sollst. Sondern nur die Anleitung dazu, wie du für dich, deine Kinder, deine Lebenssituation die besten Lösungen finden wirst.

Kennst du die Familienkonferenz? Wie ist deine Meinung dazu? Was findest du leicht umsetzbar, was nicht?
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