Von Trennungskindern & Patchwork-Geschwistern

PatchworkfamilieJulia (3) und Nico (8) sind aufgeregt, sie verbringen das Wochenende wieder – wie alle 2 Wochen - bei ihrem Papa. Seit der Trennung sehen sie ihn nicht mehr so oft. Umso größer ist heute die Freude, weil sie gemeinsam in den Zoo gehen wollen.

Ihr Papa hat auch ganz geheimnisvoll getan, er werde diesmal nicht alleine sein, sondern eine gute Freundin mitbringen. Zu dritt fahren sie nach Wien, beim Eingang zum Tiergarten steht schon eine Frau, die die Kinder liebevoll anlächelt und sich mit den Worten vorstellt: „Hallo ich bin Miriam, schön euch beide endlich kennen zu lernen! Eurer Papa hat schon so viel von euch erzählt!“

Julia versteckt sich hinter dem Rücken von Papa und schaut neugierig Miriam an. Nico ist da schon ein bisschen mutiger und gibt breitwillig die Hand. Herausfordernd sagt er: „Machen wir ein Wettrennen? Wer ist schneller dort vorne beim Zaun?“ Und schon flitzt er los, die Freundin von Papa hinterher und lässt Nico mit einem Augenzwinkern haarscharf gewinnen.

Für das erste Treffen mit Kindern des neuen Partners oder der neuen Partnerin empfiehlt sich ein neutraler Boden, ein Spielplatz, das Hallenbad oder eine Wanderung. Vielleicht auch nur mal ein paar Stunden zum gemeinsamen Abtasten. Im Fall von Julia und Nico hat das Treffen nach dem Zoo-Besuch geendet, keine gemeinsame Heimfahrt oder Übernachtung, aber das Versprechen in 2 Wochen wieder da zu sein und dann miteinander die Geburtstage der beiden Kinder zu feiern.

Wie das 1. Treffen gelingt:

  •       Die Kinder auf die neue Situation vorbereiten
  •       Womit spielen die Kinder gerne und in welcher Umgebung fühlen sie sich wohl?
  •       Welche Rituale gibt es bereits? Diese sich interessiert zeigen lassen
  •       Kinder gehen immer voran, sich als Erwachsener etwas zurück nehmen, aber auch die eigenen Grenzen wahren
  •       Ängste der Kinder ernst nehmen (aktives Zuhören: „Aha, Du hast Angst, dass Dich meine Freundin nicht mag? …, dass der Papa böse ist, wenn Du mit meinem  neuen Freund auch Fußball spielst?“)
  •       Versuchen sich in die Lage des Kindes zu versetzen

Die ersten Treffen mit Julia und Nico haben gut geklappt. Miriam hat einen sehr guten Draht zu Nico und bald herausgefunden, was er gerne macht. Umso verwundertet ist sie, als der Bub bei einem Streit mit seinem Vater ihr an den Kopf wirft: „Wegen Dir ist Papa nicht mehr bei uns zu Hause und wir müssen jetzt in einer Wohnung wohnen!“

Als er sich wieder beruhigt hat, klopft Miriam an sein Zimmer und setzt sich zu ihm ans Bett. „Du hättest gerne, dass Deine Mama und Dein Papa noch zusammen sind und ihr noch in dem Haus wohnt, wo ihr vorher gewohnt habt?“. Nico nickt traurig. „Du kannst Dich aber sicher auch erinnern, dass Deine Eltern viel gestritten und sich dann gar nicht mehr richtig verstanden haben. Weißt Du Erwachsene tun das manchmal, dann ist es besser, dass sie nicht mehr zusammen wohnen, weil sie sich so oft streiten. Aber Deine Mama und Dein Papa haben euch beide sehr lieb und das wird immer so sein! Und ich habe Deinen Papa sehr lieb und Dich und Deine Schwester auch!“

Auch wenn die Kinder den neuen Freund oder die Freundin akzeptieren, kann es vorkommen, dass sie trotzdem wollen, dass ihre Eltern wieder zusammen kommen und dass sie wieder wie früher eine Familie sind.

Wenn die Kinder es wieder "so wie früher" haben wollen

  •        Zuhören
  •        Versuchen die Bedürfnisse der Kinder zu erkunden
  •         Zorn und Trauer auch zulassen
  •         Niemand hat Schuld
  •         Ruhig erklären, wie es in Zukunft sein wird
  •         Positiv oder zumindest neutral über den/die Ex-PartnerIn sprechen
  •         Den Kindern vergewissern, dass sie von allen Seiten geliebt werden

Nach 5 Jahren erwarten Miriam und Theo Nachwuchs und wollen auch Theos Kinder gut auf das neue Geschwisterkind vorbereiten. Sie sind die ersten, die von dem freudigen Ereignis erfahren. Julia und Nico dürfen die Ultraschallbilder ansehen und sind bei der Namensauswahl mitbeteiligt. Sie kaufen gemeinsam Babygewand ein und entscheiden welche Farbe das Kinderzimmer haben wird, in dem sie auch alle 2 Wochenenden schlafen werden. Auch beim Kauf des ersten Spielzeugs sind sie dabei.

Als ihr kleiner Bruder Christopher das Licht der Welt erblickt, sind sie am nächsten Tag die ersten, die ihn halten dürfen und tragen ihn stolz durch das Zimmer. Nach mehreren Wochen, als Julia und Nico wieder zu Besuch sind, weint Julia am Abend beim zu Bett gehen: „Sind wir jetzt weniger wert? Und hast Du uns auch noch lieb?“, bricht es aus ihr heraus. Theo nimmt sie liebevoll in den Arm und versichert ihr, dass er sie noch genauso lieb hat und sich das auch niemals ändern wird, aber dass er jetzt Christopher auch lieb hat.

Wenn ein Geschwisterkind unterwegs ist:

  •        Beziehen Sie die Kinder von Anfang an mit ein
  •        Gehen Sie auf ihre Befürchtungen ein
  •        Es soll sich nicht alles ums Baby drehen, auch noch immer genug Zeit mit den anderen Kindern verbringen, auch alleine
  •        Was soll von der Familienstruktur erhalten bleiben, was verändern?
Auch Julias und Nicos Mama hat wieder einen neuen Freund und Paul hat den inzwischen 9-jährigen Andreas in die Familie gebracht. Andreas verbringt alle 14 Tage das Wochenende mit den beiden Geschwistern. Beim ersten Treffen sind sie in eine Therme gefahren und besonders die zwei Buben hatten viel Spaß beim Rutschen mit Paul. Julia war lieber mit der Mama im Sprudelbad. Am Abend setzt sich Mama mit Julia und Nico zusammen und fragt die beiden Kinder, wo Andreas schlafen kann, wenn er in zwei Wochen mit Paul da ist. Zuerst soll er im Wohnzimmer schlafen, dann aber fällt Nico ein, dass sie doch eine Matratze in Nicos Zimmer legen können, das ist sicher lustig ….

Nicht immer läuft das Leben in Patchwork-Familien rund, es treten immer wieder Ängste und Befürchtungen bei Kindern und Erwachsenen auf, daher scheuen Sie sich bitte auch nicht davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. ErziehungsexpertInnen können in dieser Zeit eine wertvolle Unterstützung sein - für mehr Spaß und Freude in der neuen Familie!

MichaelaNiklÜber die Autorin:


Ing.in Michaela Nikl lebt seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Patchwork-Beziehungen. Sie ist Generationen-Coach und Elterntrainerin. Mehr dazu: www.lebenszeichen.biz

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Mama-Coach Vera Rosenauer

Vera Rosenauer

Mama-Coach mit Herz, Hirn, Humor und langjähriger Erfahrung, Mama von zwei großartigen Töchtern, passionierte Langschläferin, Besitzerin (und Leserin!) mehrerer Kubikmeter Fachliteratur

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