Wenn dein Kind andere Kinder beißt, haut oder an den Haaren zieht

Wenn mein Kind andere Kinder haut, kratzt, beißt, an den Haaren zieht

Einmischen oder nicht – das ist hier die große Frage.

Die ich schon einmal in Bezug auf Geschwisterstreit im Artikel Einmischen in Geschwisterstreit - ja oder nein? aufgegriffen haben. Doch wenn ein fremdes Kind im Spiel ist, wird das Ganze noch komplizierter, weil dann außer dem Kind auch noch die andere Mutter und deren Verhalten, der Ansichten mit berücksichtigt werden müssen.

Und schon öfter hab ich es erlebt, dass die Mütter noch erbittert über Streit und Handgreiflichkeiten der Kinder diskutierten, während die Kinder selbst schon wieder friedlich miteinander spielten.

Bevor du also entscheidest, ob und wie du eingreifst – stell dir die folgenden sechs Fragen, wie so oft gibt es keine Patentlösung. Altersmäßig geht es hier um Kleinkinder, also etwa zweites und drittes Lebensjahr.

Und vergiss nicht: 

Jede Situation hat ihre eigene Problemstellung und braucht eine eigene Lösung.

1.       Wen haut das Kind?

Es macht einen Unterschied, ob es um ein fremdes Kind geht oder um eins, das dein Kind gut kennt und öfter sieht.

Kinder, die sich öfter sehen, entwickeln oft einen eigenen Umgang miteinander und der kann auch ruhig mal „körperbetonter“ sein. Wenn das für beide ok ist.

Geht es um ein fremdes Kind – zum Beispiel auf dem Spielplatz – würde ich etwas eher eingreifen, denn natürlich kennst ja auch du dieses Kind nicht. Du kennst seine Erfahrungen nicht – ein Zweit- oder Drittgeborenes geht meist routinierter mit Übergriffen anderer Kinder um als ein (bis dato) Einzelkind, das sonst nur von Erwachsenen umgeben ist. Das bringt dich auch gleich zur nächsten Frage:


2.       Wie reagiert das andere Kind?

Weint es? Ist es erschrocken? Haut es zurück? Ist es dadurch nicht aus der Ruhe zu bringen und spielt einfach seelenruhig weiter?

Die Antworten darauf werden die Geschwindigkeit deines Eingreifens beeinflussen.


3.       Wer ist noch dabei?

Kleinkinder sind ja nicht alleine unterwegs – irgendeine Betreuungsperson des anderen Kindes wird in der Nähe sein. Ein kurzer Rundum-Blick genügt meist um diese zu identifizieren.

In dem Moment erkennst du auch, wie reagiert diese Person? Verschreckt, weil ihr kleiner Schatz angegriffen wurde? Schaut sie auch gerade herum, um dich als „die andere Mutter“ ausfindig zu machen?

Im ersteren Fall wird sie wahrscheinlich die erste sein, die eingreift um ihr Kind zu trösten. Im zweiten Fall kannst du die Initiative ergreifen und zuerst mal mit ihr Kontakt aufnehmen im Sinne von „Was machen wir jetzt am besten?“ So holst du sie gleich ins Boot.


4.       Kennen sich Kinder und Mütter?

Dann nutze mal eine ruhige Gelegenheit – also wenn grad kein akuter Hau-Konflikt in der Luft liegt – und besprich dich mit ihr. Wie sieht sie das? Was hält sie vom Eingreifen? Wann genau hält sie es für notwendig?

Dann kennt ihr eure Ansichten und könnt im Konfliktfall eher ruhig bleiben und beim Eingreifen am selben Strang ziehen.


5.       Wie alt sind die Kinder?

Wie groß ist der Alters- bzw. Kräfteunterschied? Ist dieser sehr groß, wird wahrscheinlich ein Eingreifen zum Schutz des Jüngeren/Schwächeren angesagt sein.


6.       Wie oft kommt das vor?

Passieren die Übergriffe ab und zu, mach dir kein allzu großes Problem daraus.

Wird aber bei jedem Besuch auf dem Spielplatz/der Spielgruppe/des Freundes gehaut, solltest du dir das Ganze mal näher anschauen. Woran kann es liegen, dass dein Kind so schnell zum Hauen der anderen neigt?

Manchen Kindern machen zu viele andere Kinder einfach Stress und dann wissen sie für sich im Moment mal keine andere Lösung, als auf die anderen hinzuhauen. Vermeide in dem Fall für einige Zeit, größere Ansammlungen von Kindern und bringe dein Kind bewusst nur in Situationen, mit wenigen Kindern, wo es sich sicher fühlt. Damit kann es Kraft tanken für die größeren Gruppen.



Kleiner Exkurs:

Widerstehe der Versuchung, dein Kind „zur Gewöhnung an diese Situation“ bewusst oft einer Gruppe mit vielen Kindern auszusetzen, damit es lernt, damit umzugehen. „Schließlich muss es ja später in Kindergarten oder Schule.“

Das ist einerseits noch Monate oder gar Jahre und somit viele Reifungs- und Entwicklungsschritte entfernt. Andererseits herrscht dort eine völlig andere Gruppendynamik und du wirst nicht dabei sein. Kinder verhalten sich in Anwesenheit der Mutter oft vollkommen anders als ohne sie!


Du entscheidest dich also fürs Eingreifen – aber wie gehst du das nun an?

Deine Botschaft muss mehrere Teile enthalten:

1.       Stopp - Gewalt ist nicht ok
2.       Wahrnehmen des Auslösers für die Gewalt
3.       Wie geht’s jetzt weiter?


Dein Eingreifen könnte also in etwa so aussehen:

„Stopp – hör auf den … zu hauen. Du bist wütend, weil er dir das Schauferl weggenommen hat. Was könnt ihr jetzt tun, damit ihr weiterspielen könnt?“

In der Realität wirst du zwischen den einzelnen Teilen bestimmt Pause machen müssen. Teil 2 macht erst Sinn, wenn die Emotionen so weit beruhigt sind, dass keiner der Beteiligten mehr lautstark heult. Und das Denkvermögen für Teil 3 wird erst da sein, wenn das Kind das Verständnis seiner Emotionen aus Punkt 2 fühlt.

Oft finden schon auch sehr kleine Kinder dann Antworten auf die Frage aus Punkt 3 – wenn gar nichts geht, versuche mal Vorschläge zu bringen. Aber vermeide, eine Erwachsenenlösung „auf dem Silbertablett“ daher zu bringen.

Drei Punkte sind mir zum Schluss noch wesentlich:

WICHTIG – achte auf deine Innere Erwartungshaltung!

Überprüfe immer wieder deine inneren Bilder von deinem Kind, denn die bestimmen viel von der Art, wie du eingreifen wirst.

Bist du innerlich überzeugt, dass dein Kind ein richtiger kleiner „Schläger“ ist, wirst du danach auch handeln. Und das auch in Situationen, in denen du den Tathergang gar nicht beobachtet hast. Du hörst ein Kind weinen und schon stürzt du hin, weil du befürchtest, dein Kind könnte der Schuldige sein!

Damit startet im schlimmsten Fall ein Teufelskreis und dein Kind handelt so wie du es befürchtest – die typische self-fullfilling-prophecy!


Bitte nicht: Wehr dich doch!

Höre ich immer wieder als Eingreifen, wenn das eigene Kind gehaut wird – ist aber für ein Kleinkind eine völlig unverständliche Botschaft mit doppeltem Boden!

„Mama sagt, – Stopp, Gewalt ist nicht ok. Aber offenbar in manchen Situationen ist es doch toleriert, ja sogar erwünscht, dass ich haue. Hm, da kenn ich mich jetzt aber nicht mehr aus!“ So in etwa wird es dein Kind verwirren – Kleinkinder brauchen noch sehr Schwarz-Weiß-Botschaften, um Ordnung in die verwirrende Welt um sie herum zu bekommen.


Die Sache mit der Entschuldigung!

„Entschuldigung“ zu sagen ist ein gesellschaftliches Ritual – natürlich ist es eine gute Idee, dass auch dem Kind beizubringen. Wenn du aber siehst, dass es selbst ganz fertig ist, weil es nicht damit gerechnet hat, dass das andere Kind so stark weint – dann zwing es nicht das Wort auch noch auszusprechen, wenn es ohnehin mit seiner ganzen Körpersprache bereits um Entschuldigung bittet.
Außerdem soll das Wort "Entschuldigung" auch nicht als Absolution für jedwedes Verhalten gelernt werden. Nach dem Motto: Ich kann ruhig zuhauen, wenn ich danach Entschuldigung sage, ist es alles in Ordnung"

Wie siehst du das? Kennst du solche Situationen vom Spielplatz? Wie gehst du damit um, wenn dein Kind andere haut oder von anderen gehaut wird? Ich freue mich auf deine Kommentare.
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Mama-Coach Vera Rosenauer

Vera Rosenauer

Mama-Coach mit Herz, Hirn, Humor und langjähriger Erfahrung, Mama von zwei großartigen Töchtern, passionierte Langschläferin, Besitzerin (und Leserin!) mehrerer Kubikmeter Fachliteratur

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