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Mythos Qualitätszeit - was das Wort für Mama und Kind eigentlich bedeutet

Mythos Qualitätszeit

„Ich halte mir täglich zwei Stunden Qualitätszeit für mein Kind frei“


Kennst Du diesen Satz aus Interviews mit berufstätigen Supermüttern, die es ganz locker schaffen, den Alltag mit mehreren Kindern und die Leitung eines Großkonzerns unter einen Hut zu bringen, und nebenbei noch aussehen als könnten sie jederzeit für Victorias Secret modeln?

Mal abgesehen davon, dass ich den dann meist folgenden Satz „mit ein bisschen Organisation geht das sehr gut“ für eine der größten Lügen der Menschheitsgeschichte halte, habe ich auch so meine Schwierigkeiten mit dem Begriff der Qualitätszeit, der dann so diffus im Raum hängt.

Und mitunter schon wieder schlechtes Gewissen bei und Normalo-Müttern erzeugt.

Schließlich ist noch der Einkauf im Supermarkt zu erledigen (Markt wäre ja noch besser, eh schon wissen, wegen Bio-Gemüse, aber das wäre noch mehr Fahrerei!), der Kuchen fürs Kindergartenfest muss gebacken werden, dann sind noch ein paar wichtige Emails für den Job zu schreiben und schon sind schon wieder die abendlichen Diskussionen rund ums Zähneputzen  fällig …

Wie schaut das jetzt also aus mit der Qualitätszeit?

Laut Wikipedia ist Qualitätszeit „die Zeit, in der man seinen – andernfalls vielleicht vernachlässigten – Kindern, seinem Partner oder seinen Freunden besondere Aufmerksamkeit widmet“

Na, wenn das nicht ordentlich aufs Gewissen drückt: Falls Du unfähige Mutter es nicht schaffst, Zeit mit Qualität anzufüllen, sind die Kinder potentiell vernachlässigt … da fühlt man sich doch gleich wohl, oder?

Versteh mich jetzt bitte nicht falsch, es ist super, eine feine Zeit mit seinem Kind zu verbringen, aber ich verwehre mich mittlerweile sehr gegen diesen Ausdruck der Qualitätszeit, weil er oft falsch ausgelegt wird.

Qualitätszeit ist keine Förderzeit

Das war mir anfangs auch nicht so klar. Als junge Mutter hab ich oft genug von dieser Qualitätszeit gelesen und sie aber zu sehr mit Förderung in Verbindung gebracht.

Mein Trugschluss war: da sitzen wir dann also zusammen und spielen ein pädagogisch wertvolles Lernspiel – damit schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe, wir verbringen Qualitätszeit und das Kind wird auch gleich noch in seinen kognitiven Fähigkeiten und der Hand-Auge-Koordination geschult.

Irgendwann bin ich dann drauf gekommen, dass meine Kinder eine völlig verfremdete Realität erleben, weil sie mich zum Beispiel nie beim Bügeln, Wäsche waschen oder sonstigen Haushaltstätigkeiten gesehen haben. Als „gute Mutter“ habe ich das ja während der Schlafenszeit gemacht, damit ich meinem Kind bloß nicht ein Minütlein Qualitätszeit vorenthalte …



Qualitätszeit lässt sich nicht einfordern

Da komme ich jetzt auf das Eingangbeispiel mit den „zwei Stunden, die im Kalender eingetragen werden“ zurück – und was ist, wenn das Kind jetzt gerade keine Lust hat?

Oft genug hab ich zu Hause schon etwas zum gemeinsamen Basteln vorbereitet gehabt – dann hab ich die Kids vom Kindergarten geholt und die wollten jetzt gerade lieber mit Freunden auf den Spielplatz gehen. Und ich konnte mich mit meiner sorgfältig geplanten Qualitätszeit brausen gehen, wie man so schön auf Wienerisch sagt!

Aber war das wirklich keine Qualitätszeit?

Mittlerweile verstehe ich unter Qualitätszeit nur noch Zeit in der wir (gemeinsam) Spaß haben.


Und das Gemeinsam hab ich deshalb in Klammer gesetzt, weil mir bewusst geworden ist: ich muss da auch nicht immer in der ersten Reihe dabei sein, damit die Zeit Qualität hat!

So sind wir statt des Bastelns einmal eben auf einem Spielplatz in unserer Anlage gelandet, dort waren rund 20 Kinder verschiedenster Altersstufen. Weil es heiß war, durften sie aus einem Nachbargarten kübelweise Wasser holen, womit sie einen Staudamm in der Sandkiste gebaut haben.

Über zwei Stunden wurde im Team Wasser geschleppt und Sand geschaufelt, alle waren sie dreckig und glücklich – na, wenn das keine Qualitätszeit ist!

Und als Mutter war meine einzige Leistung, das einfach zuzulassen und nicht meine qualitativ hochwertige, pädagogisch wertvolle Bastelidee zu verfolgen.

Von dem Staudamm reden sie übrigens noch heute …

Fazit:

Meiner Meinung braucht es schon eine gewisse Quantität an Zeit, damit Qualität passieren kann. Aber die Qualität darf dann ganz viele unterschiedliche Gesichter haben – auch der Alltag wie ein gemeinsamer Ausflug in den Supermarkt kann Qualitätszeit sein.

Und weil mir das Thema so wichtig ist, habe ich dazu auch ein Mini-Coaching Qualitätszeit zum Download zusammengestellt.

Wie siehst Du das? Was bedeutet für Dich Qualität in Zusammenhang mit Zeit? Was machst Du am liebsten mit Deinen Kindern, das Ihr richtig genießen könnt? Schreib mir das doch gleich in die Kommentare

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Vera Rosenauer

Mama-Coach mit Herz, Hirn, Humor und langjähriger Erfahrung, Mama von zwei großartigen Töchtern, passionierte Langschläferin, Besitzerin (und Leserin!) mehrerer Kubikmeter Fachliteratur

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