Trotzphase – 3 wichtige Empfehlungen dank derer du gelassener bleibst

Jesper Juul sagt ja, Kinder haben kein Trotzalter, sondern: „es ist eine natürliche Phase, in der sich Zwei- bis Dreijährige, von der kompletten Abhängigkeit von den Eltern zu einem teilweise unabhängigen Individuum entwickeln.“

In der Frage der natürlichen Entwicklung stimme ich da voll zu – allerdings habe ich kein Problem mit dem Wort Trotz auf dass ich gleich negieren müsste, dass es das überhaupt gibt.

Trotz ist ja erstmals nur ein Wort – aber offensichtlich interpretiert jeder etwas anderes hinein, die meisten etwas negatives. Auf Facebook bin ich sogar einmal gescholten worden, weil ich das Wort im Titel meines Online-Workshops "Trotzkopf" verwende …

Die Trotzphase gilt weithin als eine problematische Zeit, in der das Kind seinen eigenen Willen entwickelt. Und lange Zeit war die Ansicht ja, dass man den sogar unbedingt brechen sollte! Also das bitte nicht!

Im Englischen spricht man von “the terrible twos” … klingt auch nicht ganz stark nett!

In der Wissenschaft verwendet man deshalb weitgehend nur noch das Wort Autonomiephase. Das gefällt mir auch sehr gut als Beschreibung, TROTZdem liest du bei mir auch weiterhin vom Trotz.

Meine Assoziation zum Wort Trotz ist nämlich: “Herausforderungen trotzen”, auch im Sinne von “an Herausforderungen wachsen” – anstrengend, aber positiv.

Und Herausforderungen gibt es für Kind und Eltern genug in der Trotzphase!

ABER - wenn du gerade hilflos mit deinem am Boden liegenden und brüllenden Kleinkind im Supermarkt stehst, ist es dir vermutlich vollkommen egal, ob die Fachleute das jetzt Trotz oder Autonomie nennen. Du willst nur eines wissen, wie komme ich am besten wieder raus aus der Situation?

Woher kommt es, dass das Kind seinen eigenen Willen entwickelt?

Dazu müssen Kinder sich erst einmal als eigene Person erkennen. Gibt man einen Säugling einen Spiegel in die Hand, ist das für ihn ein faszinierendes Spielzeug. Erst mit frühestens 15 Monaten erkennt das Kind, das es sich selbst sieht und nicht irgendein anderes Kind.

Der passende Test dazu: du machst dem Kind unauffällig einen Punkt auf die Nase oder Stirn, am besten geht das mit einem Klecks Hautpflegecreme – wenn es dann in Spiegel schaut, wird es sich entweder auf die eigene Nase greifen (wenn es sich als sich selbst erkennt) oder dem anderen Kind im Spiegel.

Das ist auch das Alter, in dem sie das Wort „ich“ lernen. Zuerst nennen sich Kinder ja beim eigenen Vornamen – aus „Anna Banane“ wird „ich Banane“

Das ist übrigens eine nicht zu unterschätzende Leistung des kindlichen Hirns. „Ich“ und „du“ sind die zwei einzigen Wörter, die ein Kind nicht durch Nachahmung erlernen kann!

Und neben dieser Entdeckung, dass ich selbst ein Mensch abgekoppelt von den anderen bin, kommt natürlich auch die Erkenntnis auf, dass ich ab und an andere Wünsche habe als die anderen.

  • Das Schokokeksi direkt vor dem Mittagessen
  • Das Nicht-Heimgehen wollen vom Spielplatz
  • Das die Wände bemalen wollen
  • Das in die Steckdose greifen wollen

Einschränkungen in der Durchführung solcher Wünsche machen verständlicherweise das Kleinkind nicht glücklich, sondern erfordern vielmehr den Protest desselben.

Das also ist die natürliche Entwicklung, die hinter der Trotzphase steckt – und hier kommen noch drei ganz wesentliche Empfehlungen für dich und deinen Umgang mit dem Trotz (oder der Autonomie) deines Kindes.

Empfehlung # 1: Nimm es nicht persönlich

Auch wenn du der Auslöser sein magst, weil du eben nicht möchtest, dass direkt vor dem Mittagessen noch ein Keks gegessen wird – der Trotzanfall gilt nicht dir persönlich als Mama. Keine Sekunde ist er ein Zweifel an deiner Liebe. Was das Kind gerade nicht mag, ist deine Macht über die Keksdose.

Das Kind stößt gerade an seine Grenzen und das ist für niemanden angenehm. Je nach Temperament wird das nun mehr oder weniger deutlich und laut gezeigt.

Empfehlung # 2: Bleib so gelassen wie möglich

Ich weiß – leichter gesagt als getan! Aber je mehr du die Empfehlung # 1 verinnerlichst, umso besser wird dir # 2 gelingen.

Für Trotzanfälle in der Öffentlichkeit folgt jetzt noch

Empfehlung # 2a: Kauf dir eine möglichst große, dunkle Sonnenbrille!

Das ist durchaus ernster gemeint als es klingen mag – die Sonnenbrille hilft dir ein wenig dich von der Situation zu distanzieren und ruhiger zu bleiben. Sie bringt vielleicht für dich auch einen Schuss Humor ins Leben und das ist immer hilfreich!

Ach ja, und vielleicht noch eine Sonderportion Magnesium* – das gilt als Gelassenheitsmineral …

Ein "Nein" zur falschen Zeit kann bei Kindern einen veritablen Trotzanfall auslösen - deshalb gilt es sparsam zu sein mit den "Nein's"! Achte darauf, dass du deine "Nein's" wirklich nur gezielt dann einsetzt, wenn sie auch wirklich notwendig sind. Oft können wir auch eine bessere Alternative einsetzen, das entspannt den Alltag deutlich.

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Empfehlung # 3: Nimm dein Kind ernst

Manchmal ist der Anlass für einen Trotzanfall aus Erwachsenensicht absolut nichtig. Da liegt schon mal der Löffel auf der falschen Seite vom Teller und schon wird losgebrüllt.

Aber für dein Kind ist das gerade wirklich ein ernsthafter Grund. Ein Kleinkind ordnet sein Weltbild – und das tut es in Schwarz-Weiss. Und deshalb muss der Löffel auf der richtigen Seite liegen …

Deshalb bitte keine Logik als Reaktion auf Trotzanfälle … und kein „Das war aber jetzt wirklich nicht schlimm!“

Sondern Verständnis dafür, dass das Kind tatsächlich ein Problem hat.

Welche Alltagssituationen lösen bei deinem Kind bevorzugt Trotzreaktionen aus? Was hilft dir gelassener mit Trotzanfällen umzugehen? Wie erlebst du die Trotzphase deines Kindes?

Umfassende Informationen rund ums Trotzalter findest du im Online-Workshop Der kleine Trotzkopf und ICH, du bekommst sofort Zugang zu allen Videos und Zusatzmaterialien und kannst mir auch direkt Fragen stellen - und du hast KEIN Risiko durch die 30-Tage-Geld-zurück-Garantie!

Feedback einer Teilnehmerin
"Tolle Tipps und Trick. Vielen Dank, einfach super erklärt. Nicht nur für Eltern geeignet, dieser Kurs ist für alle Erzieher sehr geeignet. Danke schön"

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4 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Daniela am 21.01.2016 um 14:03

    Hallo Vera:-)
    ist doch wirklich spannend wie diese Phase doch tatsächlich der Pubertät ähnelt.
    Sogar meine Tipps für die Eltern sind deinen sehr ähnlich:-)
    Liebe Grüße
    Daniela

  2. Veröffentlicht von Ilse am 22.01.2016 um 14:04

    Hallo Vera,
    toll geschrieben und den Tipp mit der Sonnenbrille finde ich klasse.
    Ergänzend kann ich noch hinzufügen, dass jedes Kind mindestens eine der Abnabelungsphasen intensiv durchläuft. Bei unserem Sohn war es die Trotzphase, bei der Tochter die Pubertät.
    Ich bin mir nicht sicher, ob das allgemein gültig ist, doch scheint es mir aus der Beobachtung des Umfelds durchaus schlüssig.

    Alles Liebe
    Ilse

  3. Veröffentlicht von Angelina am 27.01.2016 um 09:03

    Toll auf den Punkt gebracht, was wichtig ist. Vor allem den Tipp mit der Sonnenbrille mag ich:-)
    Ich denke, dass es schon bei den ganz Kleinen anfängt, dass sie in ihren Bedürfnissen gesehen werden wollen.
    Nach meiner Erfahrung macht es kaum einen Unterschied, ob sie 2 oder 4 oder 7 sind.
    Wenn Mama (ich) etwas durchsetzen will, was gerade nicht angemessen ist (aus Sicht des Kindes zumindest nicht), kann sich auch mein 7-jähriger verhalten, als wäre er erst zwei oder drei (während sein knapp 5-jähriger Bruder noch nie eine richtige „Trotzphase“ hatte).
    Auch da hilft: einfach ruhig bleiben und noch mal überlegen, wessen Bedürfnis nun wirklich wichtiger ist. Vorteil beim älteren Kind ist natürlich, dass man zumindest im Anschluss über das Geschehene sprechen kann.

  4. Veröffentlicht von Petra am 27.01.2016 um 17:03

    Mir hilft es sehr, mich daran zu erinnern, dass ich mir die“Kämpfe“ aussuchen soll, die ich durchziehen möchte. Nicht jede Kleinigkeit ist es wert, einen Trotzanfall zu riskieren. Mit Kompromisse finde, fahre ich sehr gut bei meinen Kindern. Lg Petra

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