3 Gründe, warum es in deiner Familie nervenzermürbende Konflikte gibt

Der Grund, warum Klientinnen zu mir in die Beratung oder zu Seminaren kommen, sind fast immer Konflikte in der Familie – eh klar, wenn alles gut läuft, brauche ich auch keinen Input von außen ...

Oberflächlich betrachtet sind das völlig unterschiedliche Themen, die die Konflikte auslösen und den Mamas Nerven kosten

  • Das Kind will sich nicht die Haare waschen lassen
  • Der Streit um das Ausmaß des Schokoladenkonsums
  • Der Papa erlaubt mehr und andere Dinge als die Mama
  • Wie kriegt man das Kind abends ins Bett
  • Wie kriegt man es am Morgen wieder heraus und pünktlich in den Kindergarten

Manchmal geht es um Konflikte auf der Eltern-Kind-Ebene, manches liegt auf der Paar-Ebene (wenn die Eltern unterschiedliche Ansichten über die Erziehung haben!) – aber im Prinzip geht es immer um drei wesentliche Dinge, ganz egal, ob du dich jetzt mit deinem Kind oder deinem Partner streitest.

Treffen sie nicht zu, dann können wir relativ gelassen über das Thema diskutieren, aber lassen uns davon nicht die Nerven zerfetzen.

Und das Spannende ist: Diese drei Gründe liegen in uns!

Du kannst selbst daran arbeiten, dass dich die Konflikte in der Familie in Zukunft weniger Energie kosten. Du musst nicht versuchen, die anderen zu ändern (was ja ohnehin nicht funktioniert!)

Grund 1      Einer deiner Werte wird verletzt

Werte sind Qualitäten und Eigenschaften, die wir als erstrebenswert und moralisch gut erachten, die wir bewusst oder unbewusst unserem Verhalten, unseren Entscheidungen etc. zugrunde legen. Wir haben diese Werte ganz oft von unseren Eltern übernommen – wiederum bewusst oder auch unbewusst. Und selbst wenn es unbewusst ist, Werte wirken und es ist nicht zu unterschätzen, wie stark sie sich auswirken.

Von außen können wir bestenfalls aufgrund des Verhaltens einer Person Rückschlüsse auf ihre Werte ziehen.

Einer meiner wichtigsten Werte ist zum Beispiel Verlässlichkeit. Klingt einfach, aber trotzdem kann man viel hineininterpretieren. Ich für mich habe Verlässlichkeit wie folgt definiert:

1. Ich mache fixe Zusagen, aber verspreche nichts, was ich nicht 100%ig halten kann

2. Ich bin pünktlich – und wenn ich mich um mehr als ein paar Minuten verspäte, gebe ich Bescheid.

Das ist mein konkretes Verhalten, wie ich diesen Wert lebe und damit auch meinen Kindern VORlebe – andere mögen das komplett anders tun.

❔ Hast du dich schon mal bewusst mit deinen Werten auseinandergesetzt?

Wenn du Lust hast, deinen Werten auf den Grund zu gehen, findest du hier ein Webinar mit einer hilfreichen Übung, du kannst sie allein oder auch mit jemandem zusammen durcharbeiten. Es ist unglaublich spannend und wertvoll, Werten auf den Grund zu gehen und darüber zu diskutieren, denn es geht hier ja um „große“ Worte, zu denen jeder so seine eigenen Definitionen und Assoziationen hat.

Grund 2       Eines deiner Bedürfnisse kommt zu kurz

Bedürfnisse sind etwas Universelles, etwas das jeder versteht, weil es jeder hat. Jeder weiß und kann nachvollziehen, was es heißt, das Bedürfnis nach Nahrung zu haben. Ob ich dieses Bedürfnis nun mit dem Griff in den Obstkorb befriedige oder mit dem Weg ins Fastfoodlokal, hat mit dem Bedürfnis nichts mehr zu tun, das ist bloß die Strategie.

Du kannst davon ausgehen, dass jedem Verhalten ein Bedürfnis zugrunde liegt, das du verstehen kannst bzw. verstehen würdest, wenn du es erkennen könntest. Das Bedürfnis ist immer ok, die Wahl der Strategie, mit der jemand versucht es zu befriedigen, ist oft genug zu verbessern. Und zugegeben, manche verstecken ihre wahren Bedürfnisse sehr gut unter zweifelhaften Strategien …

Manchmal fehlt aber ganz einfach das Wissen, welche anderen Strategien noch möglich wären. Je kleiner dein Kind ist, umso weniger Erfahrungen hat es noch und setzt so mitunter auf nicht zielführende Strategien, die deinen Alltag als Mutter erschweren, weil sie zu Konflikten führen.

Für uns Mamas ist es ganz wichtig, gut auf unsere eigenen Bedürfnisse zu schauen, denn siehe oben – wenn eines zu kurz kommt, landen wir in meist unfruchtbaren Konflikten.

Und ich weiß, dass ist gar nicht einfach, die eigenen Bedürfnisse zu spüren. In der Zeit mit dem Neugeborenen leben wir in einer Symbiose und wir stecken selbst zurück. Wird das Kind älter, gilt es auch uns selbst wieder als eigene Person mit eigenen Bedürfnissen zu entdecken.

Grund 3       Wir haben nie gelernt, gut mit Konflikten umzugehen

Aus diesen ersten beiden Punkten ergibt sich in vielen Fällen der Punkt 3 – es entstehen Konflikte, wenn Werte verletzt oder Bedürfnisse nicht geachtet werden. Ganz oft wird auf der Ebene der Strategien gestritten was das Zeug hält und dabei wäre das zugrundeliegende Bedürfnis doch so verständlich für beide … und wie wir mit Konflikten umgehen, das haben wir uns auch ganz oft von unseren Eltern abgeschaut.

❔ Bist du eher die Konfliktvermeiderin oder liebst du es, dich lautstark zu fetzen? Ist nach dem Donnerwetter alles vorbei oder bist du tagelang beleidigt?

Das Problem für viele liegt daran, dass wir nur eine Variante gelernt haben: wenn ein Konflikt gelöst ist, gibt es nachher einen Gewinner und einen Verlierer! Solcherart gelöste Konflikte hinterlassen immer einen schalen Nachgeschmack …

Entweder hat der Stärkere sich durchgesetzt und der Schwächere sinnt auf Rache oder einer hat um des lieben Friedens willen nachgegeben und ist jetzt unzufrieden.

Weder das eine noch das andere hat für Kinder eine hilfreiche Vorbildwirkung!

Doch da gibt es noch zwei weitere Alternativen:

1. Den Kompromiss – jeder gibt ein wenig nach und man kommt so zu einer Lösung

2. Die Win-Win-Lösung – die absolute Königsdisziplin, wenn jeder aus dem Konflikt mit einer guten Lösung herausgeht

Das klingt so einfach, ist aber ein langer Prozess des Lernens, bis man es (manchmal) schafft, Konflikte so zu lösen. Es ist schwierig aus langjährigen Mustern auszusteigen.

Die Lösung – eine hilfreiche Kommunikation

Dieser vierte Punkt ist nun der, der alle Punkte vereinigt – wie reden wir denn über unsere Werte und Bedürfnisse, wie haben wir gelernt Konflikte zu lösen?

Ich weiß, dass für Männer oft das Wort Kommunikation geradezu etwas Seltsames, wenn nicht gar Esoterisches hat
„Wozu brauch ich das – ich kann ja eh reden …?“

Damit aus einfachem Reden hilfreiche Kommunikation im Konfliktfall wird, braucht es

  • den Willen etwas zu ändern
  • das Wissen, was man ändern kann
  • und Übung, Übung, Übung

Wenn du meinen Blog schon länger verfolgst, dann weißt du, dass ich ein großer Fan der Familienkonferenz von Thomas Gordon bin Gordon gibt uns damit hilfreiche Kommunikationswerkzeuge, um seinen Bedürfnissen und Werten auf den Grund zu gehen, die der anderen besser zu erkennen und eine Methode, wie man Konflikte löst, ohne dass es Verlierer gibt.

Ich übe mich seit vielen Jahren darin, diese Art der Kommunikation anzuwenden und ich bin nach wie vor eine Lernende (und muss zugeben, es klappt mit den Kids besser als mit dem Mann ?

Wenn wir uns die obigen Punkte jetzt ansehen, wird klar, wie wichtig unser Vorbild für unsere Kinder ist. Denn so wie wir die Dinge von unseren Eltern übernommen haben, geben wir sie auch wieder an unsere Kinder weiter!

Überlege mal:

Verfolgst du noch immer Muster, die du als Kind zu Hause erlebt haben, und willst du das dein Kind diese übernimmt?

Ertappst du dich immer wieder mal dabei, Dinge zu sagen, die du eigentlich nie sagen wolltest?

Oder – noch schlimmer – wie die eigene Mutter zu klingen?

Ja?

❔ Wäre es da nicht fein, sich einmal Zeit zu nehmen und ein paar Dinge zu überdenken und zu besprechen?

❔ Sich mit jemandem auszutauschen: Was ist mir wichtig? Was will ich meinen Kindern weitergeben?

❔ Ein paar Werkzeuge für die Kommunikation in Konflikten kennen zu lernen, um aus eingefahrenen Mustern auszusteigen?

Wenn das so ist, sieh dir doch mal diesen Online-Kurs an

Verstehe dein Kind und werde verstanden

Fazit:

Kommunikation ist eines der Schlüsselworte für eine gelungene Beziehung – ganz egal ob zum Partner oder zu den Kindern!
Ganz oft stehen uns da allerdings eingefahrene Muster, die wir zum Teil von den eigenen Eltern übernommen haben, im Weg und deshalb macht es Sinn, sich das anzuschauen und daran zu arbeiten.

4 Kommentare

  1. Veröffentlicht von Daniela Strube am 07.03.2017 um 18:18

    Eine tolle Sicht auf die Dinge und wird super Lösungsansätze. Ich hoffe der Artikel wird von so vielen wie möglich gelesen!
    Liebe Grüße Daniela

    • Veröffentlicht von Vera am 07.03.2017 um 19:19

      Danke, Daniela für dein positves Feedback, alles Liebe, Vera

  2. Veröffentlicht von Mare am 12.10.2020 um 08:20

    Sehr schöner Artikel! Habe mir vor einigen Tagen selbst das Buch „Familienkonferenz“ von Thomas Gordon gekauft und möchte es in unserer Familie einführen.
    Viele Grüße
    Mare

  3. Veröffentlicht von Verena am 25.04.2021 um 20:20

    Während manche Familienstreitigkeiten temporär sind, gibt es auch solche, die sich in das alltägliche Leben fest verankert haben. Ursächlich dafür ist oftmals ein Mangel an konstruktiven Diskussionen. In solch einem Fall kann ein erfahrener Mediator für Familien helfen. Idealerweise sollte dieser möglichst frühzeitig zur Hilfe genommen werden.

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